Bartkengut

Bartkengut war ein königliches kölmisches Dorf und mit keinem Ort verbunden. Es war kein Kirchort. Es gehörte zum Kirchspiel Saberau. Das für Bartkengut trotzdem der Fragebogen ausgefüllt wurde, hängt vielleicht damit zusammen, dass es ein sogenanntes Beutnerdorf war und die Beutner eine gewisse Sonderstellung hatten.

Die untenstehende Abbildung zeigt die Auswertung des Fragebogens von Pfarrer Otte.
Auswertung
In heute üblicher Schreibweise:

R. B. Königsberg – Kr. Neidenburg
Bartkengut
ein kölmisch Dorf, auf Polnisch Bartki, von bartnik, der Beutner oder Zeidler, und dieses von barcic, die Beute x), verdankt diesen Namen der Bienenzucht, welche von den Einwohnern in dem früher bedeutenden Gemeindewalde ehemals betrieben worden. Einige Beuten, deren hohes Alter schon daraus erhellt, daß sie noch mit einer Vorrichtung zum Schutze gegen den hier längst ausgerotteten Bären xx) versehen sind, finden sich noch gegenwärtig im Walde.
x) Über „Beute“ vgl. Jedwabno. – Der sich im Reg. Bez. Königsberg öfter vorfindende Ortsname Bartken (vgl. Goldbeck, Topogr. vom Ostpreuß. Cammer-Departement S. 14) wird durch die Etymologie erklärt. – Die Bienenpflege in Beuten (arbores pro mellificiis habites) wurde in Preußen schon im XIII. Jahrh. stark betrieben, und die Benutzung der Biene, besonders der wilden wurde von dem Orden als eine Art von Regal betrachtet. Vgl. Voigt, Gesch. Preußens 3, 542; 6, 580 ff.
xx) Es gab in Preußen noch im ersten Viertel des XV. Jahrh. Bären, vgl. ebd. S. 583

Auf die Frage „Woher kommt der Name und was bedeutet er?“ wurde im Fragebogen folgende Antwort gegeben.
Namensherkunft

Der Name Bartkengut kommt aus dem Polnischen von barcic, dem Bienenstock auf einem Baume im Walde, die „Beute“. Daher kommt das Wort „bartnik der Beutner, der Zeidler“. Die Ackerbesitzer in B. leben auf einem Gemeindewald, der in in alter Zeit recht bedeutend gewesen sein muß. In diesem Walde befanden sich sehr viele Beuten, und die Ackerbesitzer betrieben sehr die Waldbienenzucht und waren Beutner. Im Polnischen heißt das Dorf Bartki. Als Merkwürdigkeit dürfte angeführt werden, daß sich auf dem Waldantheile der Wittwe Elisabeth Wenclawska drei Bienenbeuten befinden, welche aus der Zeit herrühren, in denen die Bären in dieser Gegend noch heimisch gewesen sind müssen; da vor dem Spunde sich 2 eiserne Haken mit einer dergl. Handhabe angebracht, vermittelst derer der Bienenstock geschlossen wurde damit die Bären nicht den Bienenstock öffnen und den Honig aus nehmen konnten. Diese Beuten haben an der Wurzel etwa 4 Fuß im Durchmesser und in älterer Zeit hat es drin viele gegeben, die durch Alter unbrauchbar nach und nach herunter gehauen wurden.

Beutner (in anderen Gegenden auch Zeidler genannt) hüteten die Wildbienen in den Wäldern und verarbeiteten und verkauften deren Produkte, also Honig und Wachs. In Gegenden die sich besonders für die Bienenzucht eigneten, überließ man schon zur Ordenszeit Männern (besonders alten Preussen, weil sie die Bienenzucht am besten verstanden) ein Stück Land zur Ansiedlung mit der Verpflichtung zur Obhut und Pflege der Bienen. Der Handel mit Wachs und Honig war bedeutend und die Produkte der Bienenzucht wurden sogar exportiert. Deshalb förderte der Orden die Beutner und belohnte sie für reichlichen Ertrag und für die Vermehrung der Bienen. Masuren mit seinen Nadelwäldern eignete sich gut für die Wildbienenzucht. Alles was die Beutner brauchten, fanden sie in den Wäldern. Sie mussten aber darauf achten, dass ihnen niemand zuvorkam und den Honig und das Wachs aus dem Bienenstock entnahm. Da die Arbeit im Wald nicht ganz ungefährlich war, durften die Beutner Waffen tragen (in alten Kupferstichen sind sie häufig mit einer Armbrust dargestellt). Feinde der Zeidler waren Honigdiebe, Bienenräuber und Bären. Bienenräuber und Honigdiebe wurden mit harten Strafen belegt. Gegen die Bären wurden die Bienenstöcke mit speziellen Vorrichtungen am Stock geschützt. Mitte des 19. Jahrhunderts befanden sich, wie oben berichtet, noch drei Beuten im Waldanteil der Witwe Elisabeth Wenclawska in Bartkengut die solche Vorrichtungen hatten. Im Laufe der Zeit wurden sie unbrauchbar und sich selbst überlassen. In Preussen (wie in anderen Regionen auch) waren die Bären seit dem 15. Jahrhundert so gut wie ausgerottet. Ab und zu wanderte aber bis ins 18. Jahrhundert ein Bär aus dem benachbarten Polen ein und konnte den Bienenstöcken im Wald gefährlich werden.
Ursprünglich hatten die Beutner ihre Bienenstöcke in Bäumen. Damit klar war, wem der Bienenstock gehörte, wurden die Bäume mit geschnitzten Zeichen gekennzeichnet. Im Frühling, wenn die neuen Königinnen mit ihrem noch kleinen Volk ausschwärmten, mussten die Beutner neue Unterkünfte für die Bienen finden. Dazu fertigten sie in einem Baum eine künstliche Baumhöhle, die sie seitlich wieder verschlossen und mit einem Flugloch versahen oder sie schnitten von einem Baum die Krone ab, bohrten von oben ein Loch hinein, verschlossen es wieder und fertigten seitlich ein Flugloch für die Bienen. Später ging man dazu über einen Teil eines Baumstammes auszuhöhlen, den man im Wald aufstellte oder an Äste eines Baumes hängte. Diese sogenannten Klotzbeuten vereinfachten den Beutnern die Arbeit, denn diese konnten sie gut vorbereiten und auch relativ einfach transportieren. Langsam starb die Waldbienenzucht aus. Wachs wurde seit der Reformation nicht mehr so viel benötigt. Martin Luther predigte, dass wahrer Glaube auf ein helles Lichtermeer im Gotteshaus verzichten könne. Auch Honig als einziger bekannter Süßstoff bekam kurze Zeit später Konkurrenz vom Zucker, der aus der Karibik importiert wurde. Für die Waldbienenzucht war da nicht mehr viel Platz. Man ging mehr und mehr dazu über Bienenstöcke an Häusern und in Gärten zu pflegen.
Der in Kleinbautzen (Oberlausitz) als Pfarrer tätige Adam Gottlob Schirach (*1724 +1773) befasste sich auch mit der Bienenzucht. In seinen letzten Lebensjahren war er besonders produktiv in Sachen Bienenkunde. In seinem 1774 erschienen Buch „Wald-Bienenzucht“ befindet sich die folgende historische Darstellung der Waldimkerei.
Waldbienenzucht

Auch in Preussen waren es im 18. Jahrhundert Pfarrer bzw. Kirchenmänner, die sich um die Bienenzucht im Lande besonders verdient gemacht haben. Zwei ostpreußische Pioniere in dieser Zeit waren Michael Kurella (*1722 +1787) aus Klein Koslau und Daniel Gottlieb Settegast (*1741 +1813) aus Proküls nördlich von Memel. Beide haben Bücher über die Bienenzucht geschrieben.  Von Michael Kurella , Pfarrer zu Klein-Koslau und Groß-Schläfken (1749 – 1787), erschien 1771 in Königsberg bei Johann Jacob Kanter das Buch „kurzer Entwurf der alten und neueren Bienenzucht in Preußen, nebst einer Anweisung wie die Bienenzucht in Preußen verbeßert werden könte.“ Besonders empfiehlt er dort die Beschäftigung mit der Bienenzucht seinen Amtsbrüdern, welche ihre geringen Einkünfte dadurch merklich vermehren und ihre Kirchspielkinder zur Bienenzucht ermuntern und anleiten könnten. Die Beschäftigung mit den Bienen würde seinen Amtsbrüdern bei ihrem beschwerlichen Amte mehr zu einer Gemütserquickung als zu einer Beschwerde dienen, wie er solches aus seiner eigenen Erfahrung schreiben kann (S.18).