Candien

Die Auswertung des Fragebogens zur Kirche in Candien von Pfarrer Otte:

Auswertung Teil 1
In heute üblicher Schrift:

R.B. Königsberg. – Kr. Neidenburg.
Candien
polnisch Kangowo, kölmisches Dorf.
A. Evangelische Kirche, provisorische
Filia von Neidenburg, deren Gründung
im Mittelalter gemuthmaßt wird. Pa-
tron ist der König. Das vorhandene Gebäu-
de, ein Rechteck von 68 x 34 Fuß, ist bis auf die
Hälfte massiv und dann aus Fachwerk,
der Abputz theils weiß, theils grau. Der
mit Brettern beschlagene Turm erhebt sich im
Westgiebel eine Etage hoch über die Kirche.
Thüren und Fenster sind viereckig. Eine
“Trostkammer“ befindet sich am nordöstlichen Ende.
Die Decke ist flach; das dichte Dach besteht aus
Nonnen und Dachpfannen.

Mit „Trostkammer“ ist wohl die Sacristei gemeint. „Trostkammer“ ist eine Umdeutung von Dresskammer (Umkleidekammer) oder dem alten Treskammer (Schatzkammer).

Auswertung Teil 2

Der Altar hat einen Aufsatz mit
der Kreuzigung in einer Nische und
Apostelstatuen. – Die alte hölzerne
mit Schnitzwerk verzierte Kanzel
steht an der Mitte der Südwand und
hat einen zierlichen Schalldeckel. –
Ein hängender Taufengel. – Zwei
Glocken. – Ein altes Positiv. – Ein
silberner Kelch mit Patene. –
Das Kirchensiegel zeigt eine Kirche.

Kirche
Diese Kirche dürfte wohl im 18. Jahrhundert anstelle einer älteren gebaut worden sein.*) Ein Teil der Umfassungsmauer stammt aus dem 15. Jahrhundert. Eine ausgezeichnete Muttergottes (Holz) aus dem 15. Jahrhundert befand sich zuletzt im Amtsgericht (auf der Burg) in Neidenburg.**)
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*)Adolf Boetticher, Die Bau- und Kunstdenkmäler der Provinz Ostpreußen
Heft III – Das Oberland, Königsberg 1898 S.104
**) Dehio-Gall, Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler, München – Berlin 1952 S. 262