Heinrichsdorf

Die Auswertung des Fragebogens zur Kirche in Heinrichsdorf von Pfarrer Otte:
Auswertung Teil 1
In heute üblicher Schrift:

R.B. Königsberg. – Kr. Neidenburg
Heinrichsdorf
Königliches Dorf.
A. Die evangelische Mutterkirche könig-
lichen Patronats, deren Gründung im
Mittelalter vorauszusetzen ist. Bei dem
Mangel aller Nachrichten ist die auf dem
der Kirche gehörigen Abendmahlskelche (s. unten)
befindliche Jahreszahl 1694 das einzige Merk-
mal wenigstens von der damaligen Existenz
der Kirche, an welcher seit dem J. 1729 und
zuletzt im J. 1854 bedeutendere Reparatu-
ren vorgenommen worden sind. Sie ist

Auswertung Teil 2

aus Feldsteinen, zum Theil auch aus Ziegeln er-
baut und bei der letzten Reparatur abgeputzt
worden. Die Grundform ist die eines Recht-
ecks von 72 x 40′ mit einem vor der Mitte der
Westseite vortretenden zweistöckigen Fach-
werksthurm. Thüren und Fenster waren
viereckig, es sind aber im J. 1854 mehrere neue
Bogenfenster hinzugekommen. Das überweißte
Innere ist mit einem ovalen Holzgewölbe über-
spannt, das mit Brett verschalte Dach mit Pfannen
gedeckt. Die Sacristei bildet einen Anbau am
östlichen Ende der Nordseite.

Auswertung Teil 3

Der Altar, aus Ziegeln gemauert, hat
in seinem Aufsatze einige in betender
Stellung dargestellte, aus Holz geschnitzte
Apostelfiguren. – Die hölzerne
Kanzel ist ohne alle Verzierung. – Die
Messing-Taufschüssel hat keine Inschrift.
Unter der Kirche befand sich eine
jetzt verschüttete Gruft, vermuthlich das
Erbbegräbniß des eingepfarrten ad-
lichen Gutes Grodtken, welches gegen
Ende des XVII. und zu Anfange des XVIII.
Jahrh. der Familie v. Gottschen (s. unten)

Auswertung Teil 4

und um 1780 dem Capitain Küchmeister
v. Sternberg gehörte. (Vgl. Goldbeck a.a.
O. S. 59) Von diesen Gutsbesitzern rühren
ohne Zweifel her mehrere in der Kirche
aufbewahrte Gegenstände: zwei auf
Zinnplatten gemalte Wappen von 1705,
ein alter Degen nebst Schärpe, eine
Fahne mit dem Wahlspruche der Landwehr
aus den Freiheitskriegen.

Auswertung Teil 5

Zwei Glocken von 1717 und 1811. – Die
Orgel von 1764/68. – Ein großer silberner
Kelch mit Patene, inschriftlich ein Geschenk
der Erben des Siegmund v. Gottschen, Erb-
herrn auf Grottken, Gr. und Kl. Przellenk,
George, Christoph und Michael v. Gottschen
aus dem J. 1694; ein kleiner Kelch ohne
alle Verzierung. – Zwei Kirchensiegel,
das eine mit einer Kirche, das andere
mit dem preußischen Adler.

Zu den Glocken machte Pfarrer Leipholz, der den Fragebogen beantwortet hat, folgende Angaben:
Zwei Glocken sind vorhanden. Die große 3 ½ Fuß hoch und 2 Fuß breit mit der Inschrift – 1717 gegossen in Elbing Michael *) . Die zweite 2 Fuß hoch und 1 Fuß breit mit der Inschrift – 1811. Prediger Bolk, Kirchenvorsteher Jacob Zywietz und Samuel Erdmann
Die Orgel wurde vom Orgelbauer Scheffler in Usdau gebaut. Nach den Angaben von Pfarrer Leipholz hatte sie folgende Inschrift: „Dieses Werk ist zu Gottes Ehren erbaut 1764. Und gemalet Anno 1768 zur Zeit des Predigers J.F. Knisius“.

Eine Kirche in Heinrichsdorf bestand schon zur Ordenszeit. **) Sie ist 1404, 1407 und 1409 im Tresslerbuch erwähnt. Nach der Kirchenvistation im Jahre 1666 wurde das Kirchengebäude infolge der Verwüstungen im Schwedenkriege als stark verfallen befunden. Das Mauerwerk war zwar noch gut, aber das Dach sehr beschädigt, der Fußboden vom Regen verfault und der Turm abgerissen. Wiederaufgebaut wurde die Kirche im Jahre 1730. 1766/67 wurden wieder Renovierungsarbeiten notwendig, die vom Kreisbaumeister Theophilus Haasenberg ausgeführt wurden. 1839 war die Kirche wieder stark baufällig und musste sogar 1848 auf polizeiliche Anordnung geschlossen werden, da ein Giebel einzustürzen drohte.
1853 wurde die Kirche vom Zimmermeister Chmielewski aus Gilgenburg renoviert und 1854 neu geweiht.

Giebelansicht Westseite

Westseite der Kirche ***). Links die Sakristei.

Im I. Weltkrieg wurde der Turm durch Granaten beschädigt, 1916 abgebrochen, aber in der alten Form wieder aufgebaut.

Giebelansicht Ostseite

Ostgiebel. Rechts die Sakristei an der Nordseite.

——————

*) Michael Dormann könnte sie gemacht haben. Zwischen 1604 und 1738 wurden von der Gießerfamilie Dormann in Elbing über mehrere Generationen hinweg Glocken gegossen.
**) Fritz Gause – Geschichte des Amtes und der Stadt Soldau – Hamburg 1998, S. 163
***) Richard Dethlefsen – Bauernhäuser und Holzkirchen in Ostpreußen – Berlin 1911,
Tafel 31