Jedwabno

Bereits im 14. Jahrhundert gab es in Jedwabno (damals Gedewewe ) eine Kirche und ein Jagdhaus. Hier kreuzten sich die Wege Neidenburg-Passenheim, Osterode/Hohenstein-Ortelsburg und Allenstein-Willenberg. Der Schutz dieser Kreuzungen erschien dem Orden sehr wichtig und so wird das Jagdhaus als Verteidigungsanlage schon zeitig, etwa 1370 bis 1375, gebaut und mit Männern des Ordens besetzt worden sein. Vom Geistlichen liegt eine Schadensmeldung nach der Schlacht bei Tannenberg aus dem Jahre 1411 vor, in welcher er den ihm und der Kirche beim Einbruch der Polen verursachten Schaden nachweist. Das Jagdhaus war zweigeschossig massiv und die Kirche aus Holz gebaut. Das Jagdhaus diente jahrhundertelang den Geistlichen als Wohnung.
Um 1580 wird an der Stelle der alten eine neue Kirche, ebenfalls aus Holz, gebaut und halb unterkellert . Im Gewölbe, dessen Zugang hinter dem Altar lag, wurden Geistliche und wohl auch verdiente Kirchenmänner beigesetzt. Diese Kirche fiel 1721 einem Brand zum Opfer. Vernichtet wurden auch sämtliche Kirchenbücher. Gerettet wurden die beiden Kirchenglocken und der geschnitzte Altar bzw. Kanzelaufbau mit den Figuren der Jünger Petrus und Johannes.
Pfarrer Otte bezieht sich im ersten Teil seiner Auswertung des Fragebogens zur Kirche in Jedwabno auf Goldbecks “Volständige Topographie vom Ost-Preußischen Cammer-Departement“ aus dem Jahre 1785. Dort wird Jedwabno als ein königl. Beutner- und kölmisch Dorf mit einer Mutterkirche und 57 Feuerstellen (Haushaltungen) bezeichnet, das zum Hauptamt Neidenburg gehört (S.72).
Dorf
In die heute übliche Schreibweise übertragen:

Ein königl. Beutner- x) und kölmisches Dorf.
x) Beutnerdörfer sind solche, deren Einsassen sich hauptsächlich mit Bienenzucht beschäftigen und die Erlaubnis haben in den königl. Forsten Bienen in Beuten, d.i. in abgestandenen Bäumen in Stöcken zu halten. Vgl. Goldbeck, Topographie des Königreichs Preußens Thl. 1, Hauptst. 5 S. 65 – Vgl. auch Bartkengut.

Mehr zu den Beutnern findet sich unter Bartkengut, das ebenfalls ein Beutnerdorf war.

Das Kirchengebäude

Kirchengebäude

A. Die evangelische Mutterkirche königlichen Patronats, vermutlich im Mittelalter gegründet. Das vorhandene Gebäude aus Steinen und Ziegeln im Abputz soll zwar um 1769 neu erbaut sein, indeß der die Kanzel umfassende Altaraufsatz ist inschriftlich aus dem Jahre 1697, und hinter der Orgel befindet sich ein „wahrhaft scheußliches“ Bild der Hölle, das doch noch aus der Zeit vor der Reformation herrühren möchte. Der Himmel, ebenfalls in sehr schlechter Malerei, ist an der flachen Brettdecke der Kirche dargestellt. Diese bildet ein Rechteck von 82×40‘, in dem sich westlich in der Mitte ein viereckiger Turm von 20×20‘ vorlegt. Die Hauptthür führt durch den Thurm, an der Südseite tritt von der Mitte ein Anbau von gleicher Grundfläche mit dem Thurm vor, der innerlich in zwei Hälften getheilt erscheint: die westliche Hälfte bildet eine Halle vor dem dahinter liegenden zweiten Eingang zur Kirche, die östliche Hälfte ist die Sakristei. Die rundbogigen Fenster sind ziemlich klein. Das Pfannendach läßt aller Reparaturen ungeachtet fortwährend Nässe hindurch.

Kirche mit PfarrhausKirche mit Pfarrhaus

Nachdem König Friedrich II 3.000 Thaler Zuschuss bewilligte, wurde der Neubau in den Jahren 1757 bis 1759 (nicht 1769 wie oben angegeben) auf den Mauern der alten abgebrannten Kirche, im Stil der Kolonialkirchen, mit Wehrturm und dicken Mauern aus Feldsteinen, ausgeführt. Nur für die Umfassungen der Türen und Fenster wurde roter Backstein verwandt. Die Kirche stand in der Nordwest/Südost Richtung, nur einige Meter von der Straße nach Passenheim, auf deren rech­ter Seite. Der vorgebaute mehrgeschossige Turm mit starken Mauern, hatte eine Größe von etwa 20‘x20‘  (‘  ist eine Abkürzung für die Längeneinheit Fuß; 1 Fuß entspricht 31,3854 cm). Er wurde an der Westseite angebaut. Er war quadratisch und hatte ein gewölbtes Dach das mit Schindeln eingedeckt war. Die Spitze bestand aus einem Kegel auf welchem eine Kugel befestigt war;  letztere trug eine Wetterfahne.

GrundrißGrundriß der Kirche

Der Grundriß wurde von Pfarrer Montzka gezeichnet (Er war von 1839 bis 1856 im Amt und hat den Fragebogen zur Kirche in Jedwabno beantwortet). Durch eine große Doppeltür betrat man die Vorhalle und durch eine weitere Doppeltür den Kirchenraum. Das Kirchenschiff hatte eine Grundfläche von 82‘x40‘ und war 30‘ hoch . An der langen Südwestseite zum Pfarrhaus war die Sakristei mit Eingang angebaut und links neben diesem ein Nebeneingang zur Kirche. Der Haupteingang durch den Turm und sämtliche Fenster waren in Rundbogen ausgeführt. Die Fensterscheiben in den kleinen Rauten unter den Rundbögen waren in Blei eingefasst.
In den Jahren 1827 wurde unter Pfarrer Gral ein neues Pfarrhaus auf dem Fundament des Jagdhauses gebaut . Vor dem Haus war der Blumengarten und hinter dem Haus der Obst- und Gemüsegarten. Die Wirtschaftsgebäude des Pfarrhofs schlossen sich an. Zur Pfarrei gehörten 400 Morgen Ländereien. Pfarrer Montzka, der von 1839 bis 1856 amtierte, war der letzte Geistliche, der noch selbst die Ländereien bewirtschaften ließ. Seine Nachfolger haben die Ländereien und Wirtschaftsgebäude verpachtet. Ein Teil der zur Pfarrei gehörenden Ländereien wurde 1908 für den Bau des Krankenhauses, des Nadolnystifts (ein Heim mit 6 Wohnungen für Wittwen und Frauen, das der von 1876 bis 1896 amtierende Pfarrer Nadolny stiftete) und für die 1920 und 1934 gebaute Siedlung abgetreten.
1842, 1871 und 1908 erfolgten Renovierungen der Kirche. Bei der letzteren wurden auch zwei Heizöfen aufgestellt. 1934 ließ der damalige junge Pfarrer Gerhard Symanowski die Kirche gründlich renovieren. Angebaut wurde auch eine Warmluftheizung. Die Dächer von Turm und Kirchenschiff wurden überholt und auch der äußere Anstrich erneuert.

Das Kircheninnere
Kircheninneres

Altar und Kanzel bilden ein an Schnitzereien der Apostel, des Gotteslammes, geschmücktes Ganze. Auf der Rückseite steht: Anton Gurski pictor. Wenceslaus Paritius pictor. D. 8 August 1697. – Ein schwebender Taufengel. – Drei Glocken, die mittlere wahrscheinlich aus dem XVII Jahrh., die beiden anderen von 1800. Die fast unbrauchbare Orgel von 1788. Zwei silberne Kelche und Patenen. Das Kirchensiegel zeigt eine Kirche.

Nach Pfarrer Montzka befand sich die Orgel um 1850 an der Westseite über dem Haupteingang. Auf der Vorderseite befand sich sich die Inschrift Anno 1788. Wo sie gebaut wurde, war unbekannt. Im Laufe der Zeit war die Orgel fast ganz unbrauchbar geworden. Sie war 3 ½ ‘ breit 9 ‘ lang und 8 ‘ hoch. Eine neue Orgel mit 18 Zügen wurde 1858 eingebaut und die alte nach Malga abgegeben.Kirchenglocken

Es existierten 3 Glokken
1. Eine ganz kleine, die als Schulglokke benutzt wurde, jetzt aber unbrauchbar geworden ist. Sie stammt aus dem Jahre 1800.
2. Eine größere von 2‘ 2‘‘ Durchmesser mit der Inschrift: „Me Fecit David Jonas. Gott allein die Ehre“.
3. Die dritte größte Glokke von 2‘ 6‘‘ Durchmesser führt die Inschrift: “ Zur Zeit des Pfarrer Grall ist durch milden Beitrag der Gemeinde diese Glokke in Rastenburg im Jahr 1800.“

Anmerkung: ‘‘ ist die Abkürzung für die Längeneinheit Zoll; 1 Zoll entspricht 26,15 mm.
Die 2. Glocke mit der Inschrift: „Me Fecit David Jonas“ (mich fertigte David Jonas) wurde wohl in der Elbinger Glockengießerei David Jonas hergestellt. Sie war schon zur Zeit der 1721 abgebrannten Kirche vorhanden und stammte wohl aus dem 17. Jahrhundert. Eine Schulglocke hat nach Fritz Suchalla (s.u.) bis 1919 existiert. Sie rief jeden Morgen die Kinder des Dorfes, eine Viertelstunde vor dem Beginn des Unterrichts, zur Schule. Die Knaben der beiden ältesten Jahrgänge versahen diesen Läutedienst.

Die bei der Renovierung 1934 entdeckten und übertünchten alten Deckenmalereien wurden von dem Kunstmaler Toycke aus Ortelsburg restauriert und die beiden Chorbrüstungen mit Malereien aus der biblischen Geschichte versehen. Der Fußboden bestand aus Holzdielen. Der schwebende Taufengel erhielt in neuer Bemalung seinen Platz links neben Altar und Kanzel. Über der Orgel befand sich ein preußischer Adler, den sich König Friedrich II beim Bau ausbedungen hatte. Er übernahm damals auch das Patronat über die Kirche.

KircheninneresKircheninneres

Auf der linken Seite des Haupteinganges wurde die Turmwand beschriftet und erinnerte an folgende Ereignisse:

  • Die Baujahre der Kirche; die im Jahre 1934 erfolgte Renovierung unter Pfarrer Symanowski.
  • Die Selbstbefreiung von 400 deutschen Soldaten an der Kirche, die aus dem unglücklichen Gefecht bei Waplitz, während der Schlacht bei Tannenberg im August 1914, in russischer Gefangenschaft hier vorbeigeführt wurden.
  • Den tagelangen Durchmarsch von mehreren zehntausend russischen Gefangenen zum Bahnhof Passenheim nach der Schlacht von1914.
  • Die Grundsteinlegung des Denkmals für die Gefallenen des ersten Weltkrieges aus dem ganzen Kirchspiel im Juni 1922 durch Generalfeldmarschall von Hindenburg und die Enthüllung dieses Denkmals im Juli 1923 durch Generalfeldmarschall von Mackensen.
  • Das Abstimmungsergebnis im Jahre 1920. In Gedwangen wurden alle Stimmen für Deutschland abgegeben.

Das Denkmal für die Gefallenen aus dem ersten Weltkrieg befand sich auf dem Kirchhof.

Zur Kirche liegt eine Kurzbeschreibung von DEHIO-GALL, Seite 261/62 vor, die den Zustand der Kirche um 1940 beschreibt:

Gedwangen (früher Jedwabno)
Pfarrkirche (ev.). 1757-59. Geräumiger verputzter Saalbau im Typ der Kolonialkirchen mit südlicher Vorhalle und Westturm, innerhalb der ursprünglichen Feldsteinummauerung. Die Decke um 1760 in Tempera volkstümlich ausgemalt ( Himmel mit Sonne, Mond, Adler, St. Michael, Dreifaltigkeit und musizierenden Engeln), in dem Feld über der Orgel Bruchstücke eines Jüngsten Gerichtes. Altar um 1680 in bäuerlichem Knorpelstil, 1697 von Anton Gurski und Wenzeslaus Paritius bemalt, die sauber geschreinerte Kanzel und ihr Einbau in den Altar um 1760. – Derber Taufengel um 1700 (vgl. Neidenburg).

Die schlichte Dorfkirche hatte nach der Renovierung im Jahre 1934 außen und innen ein ansehnliches Kleid. Es sollte ihr Sterbe­kleid werden. In ihrer Nähe wurden im Januar 1945 mehrere russi­sche Panzer vernichtet. Nach Artilleriebeschuss brannten die Dachstühle von Turm und Kirchenschiff aus und stürzten nach innen ein. Der Turm hatte sich im Lauf der Jahre etwas geneigt. Ein Storchenpaar baute sich auf ihm ein Nest. Die Ruine stand bis 1966.

RuineRuine der Kirche

Literatur
Fritz Suchalla – Geschichte des Dorfes Gedwangen, Essen 1994 S. 102 ff.
Christel Skierlo – Evangelische Kirche und Pfarrhaus von Gedwangen, HB 109 Weihnachten 1997 S. 64 – 68