Malga

Die Auswertung des Fragebogens zur Kirche in Malga von Pfarrer Otte:
Teil 1
In heute üblicher Schrift:

R.B. Königsberg. – Kr. Neidenburg
Malga
auch Ruda genannt, ein königl. und kölmisches Dorf.
A. Die evangelische Kirche königlichen Patro-
nats, Filia von Jedwabno. Es ist ein Holzbau,
an dem um 1818 eine Renovation statt gefun-
den hat. Der Angabe zufolge ist die Grundform
ein Sechseck. Die Länge beträgt 47, die Breite
27 und die Höhe 17 Fuß. Der viereckige Thurm ist
an der Westseite angebaut und es führt ein
Eingang durch ihn, in ihn und eine zweite Thür
ist auf der Südseite angebracht und durch einen Vor-
bau geschützt. Die Fenster 5 Fuß h. und 2 2/3 Fuß br. sind
unter Rundbögen. Das Innere mit flacher
Decke ist geweißt, das Äußere ohne Tünche. Das
Pfannendach ist sehr schlecht und undicht.

Teil 2

Der um 2 Stufen erhöhte aus Ziegeln
aufgemauerte Altartisch hat keinen
Aufsatz, und die blau angestrichene
Holzkanzel befindet sich an der Wand
dem Altar gegenüber. – Zwei Glocken,
von 1729 und 1637; erstere geborsten. –
Das Kirchensiegel mit der Darstellung
einer Kirche.

Ob in Malga schon vor der Reformation eine Kirche vorhanden war, ist nicht bekannt. Ein erster kurzer Bericht stammt aus dem Jahre 1574 *) . Im Visitationsbericht vom 10. Juni 1706 unter Pfarrer Christof Hoffmann wird eine baufällige Kirche in Malga und die Notwendigkeit eines Anbaues erwähnt. Seit 1721 war die Kirche in Malga Filia von Jedwabno. Das kleine Kirchspiel Malga bestand nur aus den Orten Malga, Malga Gut, Malgamühle, Klein Malga und Malgaofen und wurde von den Geistlichen aus Jedwabno mitbetreut. Ein Holzturm wurde 1772 erbaut. In den napoleonischen Kriegen wurde Malga 1807 von französischen Truppen besetzt. In der Kirche wurden Pferde untergebracht und die Kirchenbänke verbrannt, der Kirchenraum verwüstet. Erst am 3. Januar 1819 konnte sie neu geweiht werden.
Im Jahre 1858 erhielt Malga die alte Orgel aus der Kirche in Jedwabno. 1889 wurde die Kirche selbständig, aber lebensfähig erst nach dem ersten Weltkrieg durch Zuweisung von Ortschaften des Kirchspiels Gedwangen (Jedwabno wurde 1938 in Gedwangen umbenannt). Zuerst waren es die Dörfer Eichenau und Großwalde. In den letzten Jahren noch Omulefofen mit Omulefmühle und der Försterei Omulef.
Im Jahre 1902 wurde eine neue Kirche in rotem Backstein im neugotischen Stil von der Baufirma Doehlert aus Neidenburg gebaut. Der Turm an der Nordwestecke des Kirchenschiffes war durch die erhöhte Lage rundum weit sichtbar. Die neue Orgel für die Kirche wurde von dem aus Böhmen stammenden Orgelbauer Carl Novak in Königsberg gebaut. Im ausgedehnten Kirchgarten befand sich der Friedhof für Malga, Malgaofen und Eichenau.

ev. Kirche

An der Ostseite seiner Umfriedung wurde nach dem ersten Weltkrieg ein Denkmal für die Gefallenen errichtet.
Nach dem zweiten Weltkrieg mußten Malga, Eichenau, Malgaofen, Gartenau und weitere Orte einem Truppenübungsplatz weichen. Der Kirchturm von Malga blieb stehen und diente als Aussichtsturm bei militärischen Übungen. 1993 zog sich das Militär zurück und seitdem ist das Gebiet ein Naturschutzreservat, das Fauna-Reservat „Małga“. Der Zweck dieses Naturschutzgebietes besteht insbesondere darin, den Lebensraum der hier vorhandenen seltenen Vogelarten zu schützen. Der Kirchturm steht noch, ist aber dem Verfall preisgegeben.

Kirchturm
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*) Fritz Suchalla – Malga, Amt und Kirchspiel – Neidenburger Heimatbrief Nr. 56, Weihnachten 1972, S.15 ff.