Muschaken

Vorbemerkung:

Der Fragebogen zur Kirche in Muschaken ist wohl von Pfarrer Johann Wilhelm Grall beantwortet worden. Er war von 1839 bis 1866 Pfarrer in Muschaken. Von Pfarrer Otte ist keine Zusammenfassung vorhanden. Wir haben deshalb den Fragebogen selber ausgewertet (M.H. und U.K.).

A. Kirchengebäude
Ein cölmisches Dorf mit einer Mutterkirche königlichen Patronats. Die Kirche ist 101 Fuß lang, 36 Fuß breit und 32 Fuß hoch. Sie ist aus Feldsteinen erbaut. Der Abputz ist dem Anschein nach mit der Kirche gleichzeitig erfolgt. Der hölzerne, viereckige Turm (Dachreiter) befindet sich über der Westseite der massiven Kirche. Die Kirche hat zwei Eingänge, einen an der West- und einen an der Nordseite. An der Westseite befindet sich vor der Kirchentür eine geschlossene Halle. Es ist nicht bekannt, ob die Vorhalle bereits beim Bau der Kirche angebaut wurde, oder später hinzugefügt worden ist. An der Ostseite der Kirche ist die Sacristei angebaut. Die Fenster sind 9 Jahre alt, viereckig, 9 Fuß hoch und 4 Fuß breit. Die Scheiben sind in Blei eingefasst. Die Dächer sind mit Dachpfannen eingedeckt.
Das Kirchenschiff ist 19 Fuß hoch, 36 Fuß breit und 101 Fuß lang. Die ursprünglich vorhandene Decke ist flach. Die Balken sind durch viereckige Pfeiler gestützt. Der Altar ist zu ebener Erde mit dem Langhause. Die Kirche hat zwei Mannchöre und zwar aus Holz, schwarz und weiß gestrichen. Die Wände sind mit gemalten Bildern der vier Apostel versehen. Außer den Bildern der Apostel befinden sich die Bilder der drei Weisen des Morgenlandes und Zierrat der Kanzel links gegenüber.

Grundriß

Skizze des Grundrißes (vermutlich von Pfarrer Grall)

B. Ausschmückung der Kirche
Die Kirche hat nur einen Altar. Er ist mit einer weißen und in der Fastenzeit mit einer schwarzen Decke behängt und mit Blumen, Vasen, vier Leuchtern und einem Crucifix geschmückt. Die Deckplatte des Altars ist aus Ziegeln und aus einem Stück. An der Ostseite befindet eine Öffnung. Vielleicht für Reliquien angebaut, von denen jedoch keine vorhanden sind.
Altar und Kanzel bilden ein Ganzes. Die Kanzel ist von Holz, mit Malerei und Schnitzwerk und auf dem Pult mit einer schwarzen Samtdecke bedeckt. Sie ist 8-eckig; die Eckpfeiler mit Silberfarbe gestrichen. Neben der Kanzel befindet sich ein Aufsatz, auf welchem ein hölzernes Crucifix steht. Links von der Kanzel befindet sich ein Bildstock in der Form eines Kelches, schwarz angestrichen mit zwei Bildern und mit der polnischen Inschrift „Boże, bądź miłościw mnie grzesznemu“ versehen (deutsch „Gott sei mir Sünder gnädig“ Lukas 8, 9-14). Der Taufengel ist aus der Kirche entfernt und befindet sich in der Sacristei. Taufbecken sind nicht vorhanden. Drei Glocken sind vorhanden, von denen eine vollständig unbrauchbar ist. Das noch brauchbare Orgelwerk mit 9 klingenden Stimmen soll durch eine neue Orgel ersetzt werden und zwar dem Altar gegenüber an der Westseite.

C. Kirchengeräte, Gewänder, etc.
Es sind drei silberne Kelche vorhanden
1. Ein Kelch inwendig und teilweise auch außen vergoldet mit der Inschrift „Hic calix cum patena cura Georgii Ciala Pastoris Loci Anno 1752 donatum“ . Dieser Kelch mit Patene ein angelegentliches Geschenk des Pfarrers Georg Ciala im Jahre 1752. In der Mitte der Patene befindet sich ein Fünffranc-Stück und die Aufschrift „Patena hori Pastoris Loci Daniel Leipolz in memoriam hic tempes dedicat quia prior cura Pastoris ejusdem aedis Geogii Ciala parata a Francogallis 1807 capta est.“
2. Ein kleiner innen und außen vergoldeter Kelch mit der Inschrift „Christoph Andreas von Sabiorki 1818“, nebst einer mit einem Kreuze versehenen, von beiden Seiten vergoldeten Patene.
3. Ein silberner Kelch, ohne Patene innen und teilweise auch außen vergoldet.
Des weiteren ein gußeisernes Crucifix.
Es ist ein Kirchensiegel mit der Umschrift „Muschakensches Kirchspiel“ vorhanden.

D. Umgebung der Kirche
Die Kirche ist von einem Kirchhof umgeben. Auf dem Kirchhofe ein gußeisernes Kreuz mit vergoldeter Schr., ein goldener Todesengel mit der Inschrift „Justine Caroline Zenke geborene Paulini – geboren den 22. September 1802, gestorben den 21. Juni 1855. Außerdem mehrere gewöhnliche hölzerne Grabkisten und Kreuze.

Die 1750 erbaute massive Kirche mit hölzernen Dachreiter brannte am Abend des 9. März 1885 nieder *). Man hatte den Brand erst bemerkt, als die Kirche bereits in Flammen stand und konnte deshalb nichts mehr daraus retten. Die Brandursache konnte nicht zweifelsfrei geklärt werden. Man vermutete, daß einige Knaben die beim Abendläuten im Turm tätig waren, in der Sakristei mit Streichhölzern zündelten und dadurch den Brand auslösten. Da die Mittel fehlten, konnte an einen Neubau nicht sofort gedacht werden. Erst im Jahre 1892 konnte damit begonnen werden, wobei die Grundmauern der abgebrannten Kirche zum Teil benutzt werden konnten. In der Übergangszeit wurden die Gottesdienste unter schwierigen Bedingungen in den Räumen der Kirchspielschule, der Pfarrwohnung, in verschiedenen Schulen des Kirchspiels und sogar in Bauernhäusern gehalten.
Am 15. November 1893 konnte die neuerbaute Kirche in einer würdigen und beeindruckenden Feier eingeweiht werden. Neben der Kirchengemeinde waren auch viele kirchliche und weltliche Honoratioren anwesend. Die neue große, schöne Orgel (18 klingende Stimmen), vom Orgelbaumeister Gehlhar-Hohenstein erbaut, erklang erstmals. Pfarrer Myckert – Neidenburg hielt die Liturgie, die Festpredigt der Ortsgeistliche Pfarrer Paul.

Kirche

Die 1893 erbaute Kirche in Muschaken

1903 wurde in Muschaken das von Pfarrer Ebel initiierte Knabenerziehungsheim Emmaus gebaut **). Das Heim beherbergte bis zu 80 sozial benachteiligte und schwer erziehbare Kinder im Alter von 6 bis 14 Jahren. Nach Abschluss der Schule kamen die Jungen in die Lehre oder es wurde ihnen eine Arbeitsstelle in der Landwirtschaft vermittelt. Pfarrer Ebel leitete das Heim bis zu seinem Tode im Jahre 1920. Danach übernahm der Hausvater und Lehrer Gustav Will die Leitung des Hauses.
Emmaus

Das Erziehungsheim Emmaus in Muschaken

Pfarrer Ebel war sozial sehr engagiert ***). Er gründete zusammen mit dem Raiffeisenverein eine Genossenschaft, die die Wirtschaft der Muschakener Bauern förderte und auch ihre Produkte verkaufte. Er wirkte aber auch weit über die Grenzen seiner Gemeinde hinaus. Pfarrer Hans Ebel war ein führender Mann in der Raiffeisenorganisation, im Evangelisch-Sozialen Kongreß aktiv und förderte die Siedlungsarbeit der Ostpreußischen Landgesellschaft.

*) Neidenburger Heimatbrief Nr. 104 – Pfingsten 1995, S. 30 ff.
**) https://de.wikipedia.org/wiki/Knabenerziehungsheim_Emmaus_(Muschaken)
***) https://de.wikipedia.org/wiki/Hans_Ebel_(Pfarrer)