Pilgramsdorf

Pilgramsdorf gehörte zum Kirchspiel Saberau. Pfarrer Otte schrieb aufgrund der Angaben im Fragebogen zu Pilgramsdorf folgendes:
ZusammenfassungIn heute üblicher Schrift:

R.B. Königsberg -Kr. Neidenburg
Pilgramsdorf
ein kölm. Dorf, dessen Name, polnisch Pielgrzymowo
(von pielgrzymowae, pilgern) einen Wallfahrtsort zu
bezeichnen scheint. Diese Vermuthung wird anscheinend
dadurch unterstützt, daß der Localsage zufolge heidnische
Wallfahrten statt gefunden haben sollen, nach zwei großen
Steinen, welche etwa 150 Ruthen vom Dorfe entfernt
unweit der Landstraße auf einem Sandberge im
Fichtenstrauche unmittelbar nebeneinander liegen
und für einen Opferaltar gelten. Übrigens ist anzu-
nehmen, daß die Steine, in der Art wie sie liegen, sich
in ihrer natürlichen Lage befinden. Nach oben zu ist der
eine Stein bedeutend größer als der andere, und
haben beide in dieser Richtung eine unregelmäßig
runde Gestalt. — Pilgramsdorf gehört zur Parochie
Saberau.

Anmerkungen:
1 Preußische Ruthe entspricht 3,766 m.
Parochie ist eine andere Bezeichnung für Gemeinde.

Im Sommer 1937 wurde bei Pilgramsdorf ein Grabhügel geöffnet. Die Untersuchung dieses Grabhügels wurde von Dr. Bohnsack aus Königsberg geleitet. Es war eine Fürstengrabstätte die er der Zeit des 3. bis 4. Jahrhunderts nach Christus und der gotisch-gepidischen Kultur zuordnete. Heute wird diese Kultur aus dem 1. vorchristlichen bis zum 4. Jahrhundert beiderseits der Weichsel nach einem Gräberfeld bei Willenberg (poln. Wielbark) in der Nähe von Marienburg (poln. Malbork) Wielbark-Kultur genannt.

Grabhügel

Grabhügel in Pilgramsdorf

Im Grabhügel befanden sich Überreste eines Totenhauses in dem der Tote bestattet wurde. Da vermutlich schon früher Grabräuber am Werke waren, wurde nur eine kleine Anzahl von Beigaben gefunden. Gefäßteile aus Ton, Glas und Holz, ein Brettspiel mit dazugehörigen Spielsteinen, Schmuckgegenstände aus Silber und ein goldener Ring. Auch Gewebereste von Kleidungsstücken und Geweben zu Dekorationszwecken wurden gefunden. Ein Teil der Funde wurde im Heimatmuseum (Grenzlandmuseum) in Neidenburg aufbewahrt. Seit 1945 sind sie verschollen.

Fürstengrab

Fürstengrab im Grenzlandmuseum Neidenburg mit Wandmalerei „Beisetzung eines gotischen Fürsten“ von Prof. Beuthner aus Breslau